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Künstlersozialabgabe – Änderungen und Ausweitung der Betriebsprüfungen ab 1.1.2015

Die Künstlersozialabgabe dient der Finanzierung der Künstlersozialversicherung. Die Künstlersozialkasse ermöglicht seit 1983 selbständigen Künstlern und Publizisten eine Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Wie angestellte Arbeitnehmer zahlen sie nur 50 Prozent der Beiträge. Die andere Hälfte tragen der Bund (20 Prozent) und die Unternehmen, die künstlerische und publizistische Leistungen in Anspruch nehmen (30 Prozent). Der Abgabesatz wird jährlich neu festgelegt. Im Jahr 2015 beträgt der Abgabesatz für Unternehmen 5,2 Prozent vom Entgelt. Die Künstlersozialabgabe ist bis zum 31. März des Folgejahres an die Künstlersozialkasse in Wilhelmshaven zu melden und zu zahlen. Für die Jahresmeldung an die Künstlersozialkasse ist der Unternehmer ohne Aufforderung selbst verantwortlich. Dazu sind entsprechende Vordrucke der Künstlersozialkasse zu verwenden.

Von der Künstlersozialabgabe kann branchenunabhängig auch außerhalb des Kulturbetriebs (Verlage, Rundfunkanstalten, Theater) jedes Unternehmen betroffen sein, das seine Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit von externen Dienstleistern, wie z. B. Webdesignern, Grafikern, Fotografen, gestalten lässt.

Die allermeisten Unternehmen sind künstlersozialabgabepflichtig – nur ist es ihnen oft gar nicht bewusst. Wer denkt an eine Künstlersozialabgabe, wenn er bei einem selbständigen Grafiker hin und wieder neue Visitenkarten oder Flyer bestellt? Oder einen selbständigen Webdesigner mit der Gestaltung der Unternehmenswebsite beauftragt?

Die Auftragnehmer müssen selbst nicht zwingend Künstler oder Publizisten sein und über die Künstlersozialkasse versichert sein. Die Abgabepflicht besteht wenn diese Auftragnehmer künstlerische oder publizistische Leistungen oder Leistungen zur Eigenwerbung und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmers erbringen. So sind Entgelte an gewerbliche Webdesigner oder Werbeagenturen abgabepflichtig. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich Kontakt mit der Künstlersozialkasse aufzunehmen. Auf der Homepage der Künstlersozialkasse (www.kuenstlersozialkasse.de) erhalten Sie auch Informationsschriften.

Mit Inkrafttreten des Künstlersozialabgabestabilisierungsgesetzes am 01. Januar 2015 schaut der Gesetzgeber genauer hin und greift bei Verstößen hart durch. Eventuell werden Säumniszuschläge und Geldbußen bis zu 50.000 € festgesetzt.

Unternehmen die, nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten erteilen, sind abgabepflichtig. Auch Firmen, die mehr als drei kommerzielle Veranstaltungen mit selbständigen Künstlern pro Jahr organisieren, sind abgabepflichtig. Es gibt eine Bagatellgrenze: Übersteigt die Gesamtsumme aller gezahlten Entgelte 450,00 Euro pro Kalenderjahr nicht, wird keine Künstlersozialabgabe fällig.  Diese Grenze dürfte jedoch auch bei kleinen Unternehmen schnell überschritten sein.

Der Entgeltbegriff des Künstlersozialversicherungsgesetz ist sehr weit zu verstehen, dazu gehören Honorare und Gagen, aber auch Sachleistungen, Auslagen (z. B. Telefon, Fracht) sowie Nebenkosten (z.B. Materialkosten). Die Umsatzsteuer sowie steuerfreie Aufwands-entschädigungen (z.B. Reise- oder Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen) werden nicht berücksichtigt.

Auf Basis der gemeldeten Vorjahresentgelte errechnet die Künstlersozialkasse die Höhe der monatlichen Vorauszahlungen für das laufende Jahr. Zu viel oder zu wenig gezahlte Beiträge werden mit der Jahresabrechnung ausgeglichen.

• Die Künstlersozialabgabe entsteht für Entgelte an natürliche Personen, auch an selbständige Künstler bzw. Publizisten einer GbR.
• Bei Zahlungen an eine GmbH, Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt, AG und GmbH & Co. KG wird keine Künstlersozialabgabe fällig.
• Bei Zahlungen an eine KG oder OHG wird ebenfalls keine Künstlersozialabgabe fällig.

Die zu entrichtende Künstlersozialabgabe ist eine nicht zu vernachlässigende Größe. Vor der Vergabe von Aufträgen ist die Künstlersozialabgabe mit in die Kostenkalkulation einzubeziehen. Oder Sie beauftragen z. B. eine GmbH, KG oder OHG, dann entfällt die Abgabe.

Abgabepflichtige Unternehmer müssen die an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte aufzeichnen. Diese Aufzeichnungen müssen fünf Jahre aufbewahrt und auf Verlangen der Künstlersozialkasse vorgelegt werden.

Die Betriebsprüfungen sollen von jährlich 70.000 auf 400.000 Unternehmen erhöht werden:

1. Bei den bereits abgabepflichtigen Arbeitgebern prüft die Rentenversicherung  mindestens alle 4 Jahre.

2. Bei allen Unternehmen bzw. Arbeitgebern mit mehr als 19 Beschäftigten wird ebenfalls mindestens alle 4 Jahre von der Rentenversicherung geprüft.

3. Bei mindestens 40 % der Arbeitgeber mit weniger als 20 Beschäftigten, die zu einem jährlich festzulegenden Prüfkontingent zur allgemeinen Betriebsprüfung gehören, prüft die Rentenversicherung.

4. Die nicht auf die Abgabepflicht geprüften Arbeitgeber mit weniger als 20 Beschäftigten erhalten mit der Prüfungsankündigung für die allgemeine Betriebsprüfung Hinweise zur Künstlersozialabgabe und müssen deren Erhalt bestätigen und erklären, abgabepflichtige Sachverhalte zu melden. Erfolgt diese Bestätigung nicht, muss unverzüglich geprüft werden. Durch dieses Vorgehen werden die Unternehmen im Hinblick auf die Abgabepflicht „bösgläubig“. Unterbleiben vorsätzlich Meldungen und wird später Künstlersozialabgabe nachgefordert, gilt die 30jährige Verjährungsfrist.

5. Die Künstlersozialkasse übernimmt selbst Prüfungen bei Unternehmen ohne Beschäftigte.

Ab 2015 werden somit deutlich mehr Unternehmen geprüft – Unternehmen mit mindestens 20 Angestellten mindestens alle vier Jahre, kleinere binnen zehn Jahre.

Wurde bislang versäumt, die Künstlersozialabgabe zu zahlen, kann es unter Umständen teuer werden. Die Abgabe wird für bis zu fünf Jahre nachträglich erhoben. Ansprüche auf vorsätzlich vorenthaltene Beiträge verjähren in dreißig Jahren.

Die Prüfung der Abgabepflicht und die Aufzeichnungspflichten verursachen für kleinere und mittlere Unternehmen einen enormen bürokratischen und zeitlichen Aufwand.

Es empfiehlt sich, alle Unterlagen, die mit einem freischaffenden Künstler oder Publizisten zusammenhängen, zu kopieren und speziell für die Berechnung der Künstlersozialabgabe sortiert (beispielsweise nach Jahrgängen) in einem gesonderten Ordner abzulegen. So vermeiden Betriebe eine unnötige Hektik während der Betriebsprüfung und erfüllen gleichzeitig die Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten.

Meine Leistungen für Sie:
Ich stehe Ihnen für weitere Erläuterungen zur Künstlersozialabgabe im Rahmen einer individuellen Beratung zur Verfügung. Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung.

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